Mal was Ernstes …

Ein Hartz IV-Empfänger bekommt 800-900€ im Monat. Damit kann man gut über die Runden kommen. Mit zusätzlichem 400€-Job käme man dann auf >1000€ netto, das entspräche bei einer Vollzeitarbeitskraft >1600€ brutto. Schlecht bezahlte Arbeiten liegen darunter, trotz mehr Arbeitsstunden und evtl. Risiken. Mit Hartz IV und Job kommt man dann auf einen Stundenlohn von >12€/h, der gesetzliche Mindestlohn liegt in bestimmten Branchen übrigens bei <8€/h.

Und die Rente? Wer Vollzeit beschäftigt ist, bekommt mehr. Eine Teilzeitarbeitskraft, die 40 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, bekommt aber nicht unbedingt mehr aus eben jener als ein Hartz IV-Empfänger, der (fast) nichts eingezahlt hat. Zudem ist die gesetzliche Rente niedriger als Hartz IV, was ja eigentlich dem notwendigsten Lebensstandard entsprechen soll. Gewisse Rentner, die jahrelang gearbeitet haben, bekommen dadurch auch nicht mehr. (Stichwort: Altersarmut)

Da stellen sich mir die Fragen:
1. Stimmen meine Informationen?
2. Wie kann so etwas angehen?
3. Warum arbeiten, wenn’s auch ohne reicht? (850€ fürs Nichtstun – 400€ Miete – 250€ Strom, Lebensmittel, sonstiges = 200€ für Anime, Auto, Urlaub & mehr Zeit zum Subben)
(Mit Regelsatz: 382€ – 250€ = 132€ -> weniger als oben, deswegen nur ein Urlaub im Jahr)

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Veröffentlicht am 23. Februar 2013, in Sonstiges. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Einzelperson Regelsatz ist 382€ dazu noch Miete incl. Nebenkosten und Heizung

    aber bei der Miete fängt es schon an 250-300 incl. Nebenkosten wenn es mehr ist, musst man dazu zahlen, wenn die Wohnung zu groß ist auch anteilig Heizungskosten.

    • Wenn die Wohnung klein genug ist (<45m²) und die Grundmiete nicht überstiegen wird, bleiben die 382€ übrig. In den abgezogenen 250€ können erhöhte Miet- und Heizungskosten auch mit bei sein, da diese fixen Kosten ja von Person zu Person variieren.
      Ich würde nach der Hochrechnung nur gut leben können, andere schaffen es eben nicht. Und sollte es doch nicht reichen, bleibt noch ein Minijob, bei dem man ~150-200€ dazuverdienen kann.

  2. Die Zahlen stimmen vielleicht für ein paar Leute, sind aber nicht die Regel.
    Miete und Heizkosten sind je nach Bundesland und Kommune sehr unterschiedlich.
    Wenn die Miet- und Heizkosten ca. 400€ übersteigen, sind die höheren Miet- und Heizkosten
    nur dann statthaft wenn man langjähriger Mieter (so ab 10-20 Jahre aufwärts) ist.
    Btw ist im Regelsatz eine Strompauschale von 38€ enthalten. Wenn die Monatlichen Stromkosten höher sind, muss der HIV-Empfänger, die höheren Kosten, vom Regelsatz (382€) selber bezahlen.
    Kompliziert wird es, wenn die Heizkosten nicht bei der Wohnungsmiete mit abgeführt werden und man z. B. mit Gas heizt (z.B. Gasetagenheizung) und die Gaskosten selber an den Strom-/Gaslieferanten abführen muss.
    Wenn ein HIV-Empfänger einen 400€ Job macht, wird der Regelsatz (382€) auf 100-120€ gekürzt. Wohnung- und Heizungsgeld bleiben da noch unangetastet.
    Den Regelsatz von 382€ hat man nie zur Gänze zur Verfügung.

    Gruß Munga61

    • Damit dein Kommentar nicht kommentarlos bleibt:
      In der Hochrechnung habe ich beispielsweise 250€ angesetzt, darin können alle Mehrkosten enthalten sein, die man hat. Wer mehr braucht, bezahlt halt mehr, aber es sollte nur gezeigt werden, dass man noch genug Geld übrig haben kann.
      Dass man beim Job nicht alles draufgerechnet bekommt, ist klar, aber eine Erhöhung unterm Strich sollte schon drin sein, ansonsten würde es sich ja nicht lohnen. Ich habe sie hier bei 100-200€ angesetzt.

      Erfahrene Meinungen sind immer erwünscht. Da ich selber nicht betroffen bin, kann ich da nicht so viel zu sagen, aber meine Infos waren demnach nicht falsch.

  3. Ihr habt vergessen, dass auch noch die Kranken- & Pflegeversicherung bezahlt wird. Und prinzipiell bekommt man Bewerbungskosten erstatten – oder auch mal einen Anzug oder was man halt unterjubeln kann. Und man kann kostenlos Schulungen und Kurse besuchen. Dazu kommen GEZ-Befreiung und reduzierte Eintrittspreise bei Theater und so.
    Gerade wenn man also ein wenig arbeitet (100€ Freibetrag, danach 20%) ist man deutlich über dem, was dem normalen Studenten so zur Verfügung steht. Und der muss Wohnung, Studiengebühren, Arbeitsmaterialien, Bücher, etc. noch selbst kaufen.

  4. Stimmt, die ganzen Vergünstigungen gibt es auch noch. Und was ebenfalls noch nicht erwähnt wurde: Die Ersteinrichtung der Wohnung wird bezahlt und nach ein paar Jahren kann man auch neue „bestellen“. Die (gebrauchten) Teile verschleißen ja auch mit der Zeit.

  5. Da ich selber betroffen bin kann ich sagen, glaubt nicht alles was ihr hört. Gesundheitlich kann ich nur noch einen Büroberuf ausüben, und dadurch dass ich einen Pflegefall in der Familie habe um den ich mich auch noch kümmern muss ist bei mir nur ein regionale Tätigkeit möglich.

    12€/h, der gesetzliche Mindestlohn liegt in bestimmten Branchen übrigens bei

    Ich bin zur Zeit in einer einjährigen Qualifizierungsmaßnahme vom Jobcenter (zur Information: 4 Monate vor Beginn der Maßnahme bin ich mit einer Umschulung fertig geworden und was ich hier höre ist nichts neues für mich, ehr muss ich den Dozenten noch einiges erklären), Die Verantwortlichen, wo die Maßnahme stattfindet, sagen uns ständig: „1000 € Brutto für eine Vollzeitstelle sind hier normal, dann geht halt zum Jobcenter und Stockt auf.“

    Nachfolgen ein Beispiel bei einer Teilzeitstelle was man noch vom Jobcenter bekommen würde.
    .
    Teilzeitstelle 20h/Woche
    Stundenlohn: 8€
    Steuerklasse 1, keine Kirchensteuer
    Brutto: 640 €
    Netto: 509,28 €

    Regelleistung Antragsteller: 374 Euro
    Summe der Regelleistungen: 374 Euro
    Summe Mehrbedarf: 0 Euro
    Miete: 200 Euro
    Nebenkosten: 10 Euro
    Heizkosten: 50 Euro
    minus 18% Warmwasserzuschlag: -9 Euro
    Summe Unterkunft: 251 Euro
    Gesamtbedarf: 625 Euro
    Nettoeinkommen: 509 Euro
    Freibetrag: -208 Euro
    Sonstiges Einkommen: 0 Euro
    weitere absetzbare monatliche Ausgaben: 0 Euro
    Summe zu berücksichtigendes Einkommen: 301 Euro
    Anspruch Arbeitslosengeld-II: 324 Euro

    509,28 € + 324 € = 833,28 € – 260 € Miete = 573,28 €

    Seit vorigen Jahr wird für ALG 2 Empfänger nichts mehr in die Rentenkasse gezahlt bzw wird die Zeit die man ALG 2 nicht mehr bei der Rente angerechnet. Zudem kenne ich genügend Leute die durch ihre Behinderung/Erkrankung nicht mehr Arbeiten können. In den Harz IV Gesetzen gibt es eine Regelung, wodurch es diesen Leuten nicht möglich ist Erwerbsunfähigkeitsrente zu erhalten, da sie zu lange ALG 2 beziehen.

    <3. Warum arbeiten, wenn’s auch ohne reicht?

    Du musst es mal von der anderen Seite sehen. Ich habe in den 1 1/2 Jahren in den ich ALG 2 bekomme um die 250 Bewerbungen geschrieben. Bei 80% der Bewerbungen bekommt man keine Antwort. Bei uns hier kommt im Bürobereich auf eine ausgeschriebene Stelle 200 – 300 Bewerbungen. Irgendwann hat man aufgegeben wieder eine Arbeit zu bekommen und man müsste wieder Aufgebaut werden um weiter zu machen. Es ist ehr das Gegenteil, man wird in irgendwelche Sinnlosmaßnahmen gesteckt wo man von denen die die Maßnahme durchgeführen ehr noch mehr demotiviert wird. Am Harmlosesten sind noch Sachen wie: "Sie sind hier damit sie wieder einen geregelten Tagesablauf bekommen."

    Gewisse Dinge die dann noch mit den Jobcenter (Sanktionen die verhängt werden obwohl die nicht Rechterens sind usw.) zusammenhängen kommen auch noch dazu. Zudem verschwinden ständig Unterlagen die man abgibt. Alles was man Abgibt muss man doppelt machen und auf einen Exemplar die Abgabe bestätigen lassen. Die Unterlagen verschwinden meistens auf dem Weg von der Abgabe zum Sachbearbeiter. Hat man ein Schreiben wo man den Namen des Sachbearbeiters drauf schreibt und Persönlich kommt das bei den immer an, da der Brief dann nicht geöffnet wird.

    Runtergerechnet sind es nur 4 Bewerbungen die man im Monat erstattet bekommt. Wer mehr schreibt oder die 5€ die man pro Bewerbung bekommt überschreitet muss den Rest selber bezahlen.

    Sind alles KANN Bestimmungen, sie können ein etwas geben müssen aber nicht.

    Hängt die Rentenkasse noch mit drin (Kostenträger einer Umschulung) wird die Verantwortlichkeit zwischen Rentenkasse und Jobcenter hin und her geschoben. Auf deutsch: Das Jobcenter zahlt nur das ALG 2 und sagt die Rentenkasse ist für den Rest zuständig, deshalb will das Jobcenter keinen Nachweiß über eine Bewerbung haben, dadurch steht in der Eingliederungsvereinbarung „0“ Bewerbungen die man im Monat machen muss. Der Rentenkasse ist es egal ob man sich bewirbt. Zudem bezahlt in dem Fall die Rentenkasse die Bewerbungskosten und die sind niedriger als das was das Jobcenter bezahlt.

    Diese Leute kommen auch in keine Zwangsmaßnahmen die das Jobcenter bezahlt (z.B. Bewerbungstraining). In der Maßnahme in der ich bin sind sehr viele dabei, wo die Rentenkasse zuständig ist. Der Kostenträger hier ist hier der ESF http://www.esf.de. Wäre bei der Maßnahme das Jobcenter zuständig gewesen, wäre ich auch nicht dabei, da man zwischen den Maßnahmen immer ein Jahr keine haben darf.

    Nicht immer, in den Zoo oder ins Museum kommt man bei uns vergünstigt, Theater muss man voll bezahlen.

    http://www.hartz-iv.info/erstausstattung-bei-hartz-iv.html da gibt es Informationen was und wie viel gezahlt wird.

    Ich Zitiere mal: „Nicht zu verwechseln ist die Erstausstattung mit der Ersatzbeschaffung. Letztere liegt dann vor, wenn zum Beispiel Möbel benötigt werden, die aber bereits vorhanden, nur durch Abnutzung unbrauchbar geworden sind. Diese Kosten muss der Leistungsbezieher aus der Regelleistung selbst ansparen.“

  6. Ich hab noch etwas vergessen. Hat man eine Umschulung gemacht, kommt man ganz schlecht wieder in Arbeit, da man keine Berufserfahrung hat.

    Ist man länger als zwei Jahre aus seinen erlernten Beruf raus, gilt man als ungelernt und der Facharbeiterbrief ist nichts mehr wert.

  7. Erst mal Danke für deinen ausführlichen Beitrag, Kazan.

    >>> glaubt nicht alles was ihr hört
    Man hört so einiges und iwas muss man glauben. (i.d.R. glaubt man der Mehrheit oder Bekannten)

    Vom Jobcenter und „Wiedereingliederungsmaßnahmen“ habe ich auch schon negatives gehört, so was aber noch nicht. Deinem Beitrag nach wird den Arbeitssuchenden nicht gerade geholfen.

    Zur Ersatzausstattung: Das habe ich wohl falsch verstanden, sry. Jemand hat nachträglich was bekommen, weil er es am Anfang nicht bekommen hatte, und bei einem anderen wurden die Anträge anscheinend abgelehnt. Wenn man es nur am Rande mitbekommt und es hin und her geht, kann man schon mal was verwechseln.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall noch viel Erfolg bei deiner Suche, lass dich nicht unterkriegen.

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